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Das Transparenzportal für
medizinische Behandlungsleitlinien

Leitlinienwatch bewertet medizinische Behandlungsleitlinien auf ihre Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie. Unser Punktesystem belohnt Maßnahmen, mit denen der Einfluss von Interessenkonflikten reduziert wird. Leitlinienwatch wird von Mezis, NeurologyFirst und Transparency Deutschland getragen.

Die 3 neuesten Bewertungen von 156 insgesamt

Klicken Sie auf die einzelnen Leitlinien, um detailliertere Informationen zur Bewertung zu erhalten.

Leitlinie Federführende Fachgesellschaft(en) Punkte
(0-18)
Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG) 4
Tabakgebrauch, schädlicher und abhängiger: Screening, Diagnostik und Behandlung Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht) 9
Alkoholbezogene Störungen: Screening, Diagnose und Behandlung Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht),
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
9
Gut! (11-18)
Achtung! (6-10)
Reformbedarf! (0-5)
Alle 156 Bewertungen

Verteilung der Bewertungen

Median: 5 Punkte

Einladung zur Veranstaltung

„Medizinische Leitlinien – Qualität und Unabhängigkeit sichern!“

Samstag, 1. Juli 2017
von 10:30 Uhr bis 16:00 Uhr

Konferenzsaal der Ärztekammer Berlin
Friedrichstraße 16, 10969 Berlin

Leitlinien können für ÄrztInnen und PatientInnen eine große Hilfe sein. Sie können aber auch in die Irre führen und großen Schaden anrichten, wenn sie von schlechter Qualität sind oder wenn Sekundärinteressen eine zu große Rolle gespielt haben.

Den Spezialisten der Medizin werden von unserer Gesellschaft sehr viele Entscheidungen über unsere Gesundheit und über die Verwendung öffentlicher Gelder anvertraut. Gleichzeitig wissen wir aber längst, dass Interessenkonflikte von den Handelnden selbst systematisch unterschätzt werden. Es reicht eben nicht, wenn ein Kreis von Experten sich einigt. Gerade hier sollte wissenschaftlicher Ehrgeiz mit Offenheit einhergehen und sich dankbar im Interesse der vertrauenden PatientInnen systematisch in Frage stellen lassen.

Welche Strukturen und Prozesse brauchen wir, um Fehlverhalten bei der Leitlinienerstellung zu minimieren und die Transparenz und Qualität dieser wichtigen Arbeit zu verbessern?
Das würden wir gern mit Ihnen diskutieren und laden Sie herzlich dazu ein.

Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier.

Wir bitten bis zum 20. Juni 2017 um eine formlose Anmeldung per E-Mail an
office@transparency.de.

Da die Anzahl der Teilnehmer durch die Saalgröße begrenzt ist, werden die freien Plätze nach dem Eingang der Anmeldung vergeben.

Auf Ihr Kommen und Ihr Interesse freuen wir uns.

Dr. Wolfgang Wodarg
Transparency International Deutschland e. V.
(Mitglied des Vorstandes)

Reformvorschlag der AWMF zum Umgang mit Interessenkonflikten

(27.12.2016) Bereits im Juni hat die AWMF ihren Mitgliedsgesellschaften neue Regeln für den Umgang mit Interessenkonflikten bei Leitlinienprojekten vorgeschlagen, zunächst als Probeversion für den Praxistest. Wichtige Vorgaben sind die Bewertung von Interessenkonflikten durch ein unabhängiges Gremium, die Unabhängigkeit der Mehrheit der Koordinatoren, der Ausschluss von Experten mit gravierenden Interessenkonflikten und eine Enthaltungsregel bei Abstimmungen für Beteiligte mit relevanten Interessenkonflikten. Die neuen Regeln wurden auf der Berliner AWMF-Tagung im Dezember 2016 bekräftigt und entsprechen in vieler Hinsicht den Vorschlägen von Leitlinienwatch.

Interessenkonflikte bei Impfempfehlungen

(19.6.2016) Auch wenn formal nicht als solche bezeichnet, kommt der jährlich von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts herausgegebenen Impfempfehlung zweifelsohne der Charakter einer Leitlinie zu – sowohl in der ärztlichen Praxis als auch im juristischen Verständnis.

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Nachrichten

„Patient ohne Verfügung“ von Matthias Thöns: über die Verirrungen der Medizin am Lebensende

(28.02.2017) Innerhalb weniger Monate ist „Patient ohne Verfügung“ zum Bestseller geworden. Wahrscheinlich hat noch niemand die Vergehen der Medizin an Sterbenden so wissend und treffend beschrieben wie der Palliativmediziner Matthias Thöns aus Witten. Egal ob es um belastende Chemotherapie im Endstadium einer Krebserkrankung, Herzdruckmassage im Sterbebett oder künstliche Ernährung bis zum letzten Atemzug geht: der Medizinbetrieb neigt gerade am Lebensende zur belastenden Übertherapie.

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Medscape berichtet über Leitlinienwatch

(06.10.2016) Das ärztliche Internetportal Medscape hat das Thema Interessenkonflikte bei Leitlinien aufgegriffen. Unter dem Titel Leitlinien auf dem Prüfstand: Noch immer zu starke Querverbindungen zwischen Industrie und führenden Fachvertretern veröffentlicht Medscape ein Interview mit unserem Gründungsmitglied Thomas Lempert, das kürzlich auf dem DGN-Kongress in Mannheim aufgezeichnet wurde.

Der europäische Sunshine-Act: Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärzte offengelegt

(26.07.2016) Seit dem 30.6.2016 ist der europäische Sunshine-Act am Netz, also die Offenlegung der finanziellen Zuwendungen der Pharmabranche an einzelne Ärzte, zunächst für das Jahr 2015. Im Unterschied zum amerikanischen Vorbild gibt es jedoch keine zentrale Datenbank, sondern einzelne Dateien für jedes der insgesamt 40 Mitglieder des Europäischen Pharmaverbands EFPIA. Anders auch als in den USA musste jeder Arzt und jede Ärztin der Veröffentlichung zustimmen.

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Nach Dialog mit der Fachgesellschaft: Leitlinie Zervixkarzinom von gelb auf grün gestuft

(10.07.2016) Die Leitlinie Zervixkarzinom wurde von leitlinienwatch.de zunächst mit 10 Punkten (gelb) bewertet. Nach kritischen Rückmeldungen der Fachgesellschaft wurde deutlich, dass Bonuspunkte ursprünglich nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. Die erneute Bewertung ergab nun einen weiteren Bonuspunkt, so dass insgesamt 11 Punkte erreicht werden (grün).

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Leitlinien verschweigen die Geldgeber der beteiligten medizinischen Fachgesellschaften

(14.06.2016) Nur 1% von 290 untersuchten Leitlinien machten im Jahr 2012 Angaben zu finanziellen Beziehungen der beteiligten Fachgesellschaften zur Industrie, obwohl mindestens 63% der Fachgesellschaften solche Beziehungen unterhielten. Dies zeigt die Studie einer kanadischen Forschergruppe, die am 31.5.2016 in PLOS Medicine veröffentlicht wurde.

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Interessenkonflikte

Ärztinnen und Ärzte brauchen Leitlinien, um ihre Patienten nach der besten wissenschaftlichen Evidenz zu behandeln. Daher dürfen Leitlinien nicht von den kommerziellen Motiven der Arzneimittelfirmen und der Medizinprodukteindustrie beeinflusst werden.

Die ärztlichen Autoren medizinischer Leitlinien sind jedoch häufig mit der Industrie verflochten, beispielsweise durch Beraterverträge, Vortragshonorare und Industrie-finanzierte Studien. Dadurch entstehen Interessenkonflikte, die nicht nur offengelegt, sondern in ihren Auswirkungen minimiert werden müssen.

Oder anders gesagt: Wer für einen Hersteller arbeitet, kann nicht dessen Produkte in einer Leitlinie bewerten.

Die 5 Prinzipien

In der internationalen Diskussion kristallisieren sich 5 Prinzipien zum adäquaten Umgang mit Interessenkonflikten heraus: 1-3

  • Offenlegung und unabhängige Bewertung von Interessenkonflikten,
  • Minimierung des Anteils befangener Mitlieder einer Leitliniengruppe,
  • Federführende Autoren ohne Interessenkonflikte,
  • Enthaltung bei Abstimmungen wenn Interessenkonflikte bestehen
  • Internet-basierte Diskussion des Leitlinienentwurfs durch die Fachöffentlichkeit und Patienten
  1. AWMF-Regel für das Leitlinienregister: Erklärung von Interessen und Umgang mit Interessenkonflikten bei Leitlinienvorhaben. Version 2.3, Stand: 30.06.2016 – Betaversion für Praxistest
  2. Guidelines International Network: Principles for Disclosure of Interests and Management of Conflicts in Guidelines, 2015
  3. Institute of Medicine, Clinical Practice Guidelines We Can Trust, 2011

Das Projekt

Die deutsche Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) verlangt bisher nur die Offenlegung der Interessenkonflikte und empfiehlt befangenen Autoren die Enthaltung bei Abstimmungen. Derzeit entwickelt die AWMF ein neues Regelwerk, das unseren Vorschlägen wahrscheinlich sehr nahe kommen wird.

Das Projekt leitlinienwatch.de bewertet Leitlinien nach diesen 5 Kriterien, um die Erwartungen der Ärzteschaft und der Gesellschaft an die unabhängige Erstellung von Leitlinien auszudrücken. Leitlinienwatch.de will gute und verbesserungswürdige Beispiele aufzeigen.

Bewertung

Unsere Bewertungen werden von zwei Gutachtern erstellt, davon ist mindestens eine(r) Arzt oder Ärztin. Grundlage sind die publizierten Angaben zum Umgang mit Interessenkonflikten in der jeweiligen Leitlinie und im begleitenden Leitlinienreport (www.awmf.de).

Wir informieren die verantwortlichen Fachgesellschaften von jeder neuen Bewertung und geben Gelegenheit zu einer Selbstbewertung und Kommentierung.

Kriterien der Bewertung

Zu den bewerteten Leitlinien

Bitte unterzeichnen Sie unseren Appell für unabhängige Leitlinien, der sich an die deutschen medizinischen Fachgesellschaften und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften richtet.

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