leitlinienwatch.de


Das Transparenzportal für
medizinische Behandlungsleitlinien

Leitlinienwatch bewertet medizinische Behandlungsleitlinien auf ihre Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie. Unser Punktesystem belohnt Maßnahmen, mit denen der Einfluss von Interessenkonflikten reduziert wird. Leitlinienwatch wird von Mezis, NeurologyFirst und Transparency Deutschland getragen.

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Die 3 neuesten Bewertungen von 155 insgesamt

Klicken Sie auf die einzelnen Leitlinien, um detailliertere Informationen zur Bewertung zu erhalten.

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Leitlinie Federführende Fachgesellschaft(en) Punkte
(0-18)
Parkinson-Krankheit Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) 10
Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) 8
2021 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease European Society of Cardiology (ESC) 2
Gut! (11-18)
Achtung! (6-10)
Reformbedarf! (0-5)
Alle 155 Bewertungen

Verteilung der Bewertungen

AWMF-Leitlinien (n=141)

Median: 9 Punkte

ESC-Leitlinien (n=11)

European Society of Cardiology

Median: 3 Punkte


Nachrichten

Pressemitteilung: MEZIS sieht Verbesserungstendenz bei ärztlichen Handlungsleitlinien

(07.02.2024) Die bundesweite Ärztinnen- und Ärzteinitiative MEZIS e.V. sieht eine Verbesserungstendenz bei ärztlichen Handlungsleitlinien, die Ärzt:innen als Richtlinie bei der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen dienen. „Es lässt sich ein wachsendes Bewusstsein für Interessenkonflikte bei der Leitlinienerstellung erkennen“, so Niklas Schurig von MEZIS und Leitlinienwatch. Die aktuell bewertete Leitlinie zur Therapie schwerheilender Wunden der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW) ist ein Beispiel dafür, wie sich mit konsequenten Maßnahmen eine Unabhängigkeit von kommerziellen Interessen erreichen lässt. Leitlinienwatch konnte 17 von 18 möglichen Punkten vergeben. Das ist der bisherige Spitzenwert bei Leitlinienwatch.

Mehr dazu in der aktuellen Pressemitteilung von MEZIS e.V.

Einfluss der Pharmaindustrie auf die “Bibel der Psychiatrie“

(25.01.2024) Eine umfangreiche Analyse im BMJ (British Medical Journal) berichtet über erhebliche Einflüsse der Pharmaindustrie auf das „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th edition“ (DSM-5) der American Psychiatric Association, gemeinhin auch als „Bibel der Psychiatrie“ bezeichnet. Die Ergebnisse zeigen, dass fast 60 % der beteiligten Autoren finanzielle Zuwendungen in einer Gesamthöhe von 14 Millionen US$ von der Pharmaindustrie erhalten hatten. Diese äußerst lesenswerte Analyse enthält auch zahlreiche allgemeine Literaturhinweise zum Thema Interessenkonflikte.

Nachruf auf Gisela Schott

(07.12.2023)  

Gisela Schott
Bildrechte: Der Arzneimittelbrief
 
Wir sind unendlich traurig, uns von Gisela Schott verabschieden zu müssen, unserer langjährigen Wegbegleiterin bei Mezis und LeitlinienWatch. Sie starb im Alter von 59 Jahren unerwartet nach kurzer Krankheit.

weiterlesen …

Initiative „Klug entscheiden“ = Kluge Initiative?

(06.10.2023) Die Initiative „Klug entscheiden“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) versucht, Fehlversorgung übersichtlich zu adressieren. Allerdings werden anerkannte Standards für wissenschaftlichen Publikationen und für die Erstellung von Leitlinien nicht beachtet. So fehlen Interessenkonflikterklärungen der Autorinnen und Autoren, Regeln zum Umgang mit Interessenkonflikten, Klarheit über die Auswahl und Zusammensetzung der Autorengruppen sowie Transparenz über die Abstimmungsentscheidungen und zur (Nicht-)Einbeziehung anderer Fachgruppen oder Patientenvertreter. MEZIS und Leitlinienwatch rufen die DGIM auf, bei diesen strukturellen und inhaltlichen Defiziten rasch nachzubessern.

Finanzierung von Leitlinien der AWMF nicht transparent

(21.09.2023) Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von 507 klinischen Leitlinien, die zwischen 2015 und 2020 von der AWMF herausgegeben wurden. Wir meinen: Transparenz zur Finanzierung von Leitlinien muss verbindlich vorgeschrieben werden!

Alle Nachrichten

Interessenkonflikte

Ärztinnen und Ärzte brauchen Leitlinien, um ihre Patienten nach der besten wissenschaftlichen Evidenz zu behandeln. Daher dürfen Leitlinien nicht von den kommerziellen Motiven der Arzneimittelfirmen und der Medizinprodukteindustrie beeinflusst werden.

Die ärztlichen Autoren medizinischer Leitlinien sind jedoch häufig mit der Industrie verflochten, beispielsweise durch Beraterverträge, Vortragshonorare und Industrie-finanzierte Studien. Dadurch entstehen Interessenkonflikte, die nicht nur offengelegt, sondern in ihren Auswirkungen minimiert werden müssen.

Oder anders gesagt:

Wer für einen Hersteller arbeitet, kann nicht dessen Produkte in einer Leitlinie bewerten.

Die 5 Prinzipien (Neufassung)

In der internationalen Diskussion kristallisieren sich 5 Prinzipien zum adäquaten Umgang mit Interessenkonflikten heraus: 1-4

  • Offenlegung und unabhängige Bewertung von Interessenkonflikten,
  • Keine Einladung befangener Personen in eine Leitliniengruppe,
  • Ausführliche Begründung bei Ausnahmen (inkl. Alternativvorschläge),
  • Ausnahmsweise eingeladene Personen mit Interessenkonflikten verlassen den Raum bei Abstimmungen über relevante Inhalte,
  • Internet-basierte Diskussion des Leitlinienentwurfs durch die Fachöffentlichkeit und Patienten
  1. Guidelines International Network: Principles for Disclosure of Interests and Management of Conflicts in Guidelines, 2015
  2. Institute of Medicine, Clinical Practice Guidelines We Can Trust, 2011
  3. Sah S: Deep Professionalism: Charting a Path for Effective Conflict‑of‑Interest Management in Medicine. J Gen Intern Med 2024; DOI: 10.1007/s11606-024-08668-z
  4. Chimonas S, Korenstein D: Managing conflicts of interest in healthcare: the new frontier. BMJ 2021;375:n2772; http://dx.doi.org/10.1136/bmj.n2772

Das Projekt

Das Projekt leitlinienwatch.de bewertet Leitlinien, um die Erwartungen der Ärzteschaft und der Gesellschaft an die unabhängige Erstellung von Leitlinien auszudrücken. Leitlinienwatch.de will gute und verbesserungswürdige Beispiele aufzeigen.

Die deutsche Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat in den letzten Jahren ihre Anforderungen an neue Leitlinien verschärft und verlangt neben der Offenlegung von Interessenkonflikten auch den Ausschluss befangener Mitglieder von einzelnen Abstimmungen oder sogar von der Mitarbeit in Schlüsselpositionen. Viele aktuelle Leitlinien bleiben noch hinter diesen Standards zurück, wie diese Website dokumentiert. Unsere Ergebnisse zu 67 deutschen S3-Leitlinien, die vor 2016 veröffentlicht wurden, wurden in der Zeitschrift BMC Medical Ethics veröffentlicht.

Bewertung

Unsere Bewertungen werden von zwei Gutachtern erstellt, davon ist mindestens eine(r) Arzt oder Ärztin. Grundlage sind die publizierten Angaben zum Umgang mit Interessenkonflikten in der jeweiligen Leitlinie und im begleitenden Leitlinienreport (www.awmf.de).

Wir informieren die verantwortlichen Fachgesellschaften von jeder neuen Bewertung und geben Gelegenheit zu einer Selbstbewertung und Kommentierung.

Kriterien der Bewertung


In diesem Video sehen Sie, wie wir bei der Bewertung von Leitlinien vorgehen.

Umgang mit Interessenkonflikten

Wir werden immer wieder von Koordinator*innen von Leitliniengruppen gefragt, wie sie besser mit Interessenkonflikten der Beteiligten umgehen können. In diesem Dokument haben wir unsere Vorschläge zusammengestellt

Zu den bewerteten Leitlinien

Hier finden Sie unseren Appell für unabhängige Leitlinien, der sich an die deutschen medizinischen Fachgesellschaften und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften richtet.

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