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Das Transparenzportal für
medizinische Behandlungsleitlinien

Leitlinienwatch bewertet medizinische Behandlungsleitlinien auf ihre Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie. Unser Punktesystem belohnt Maßnahmen, mit denen der Einfluss von Interessenkonflikten reduziert wird. Leitlinienwatch wird von Mezis, NeurologyFirst und Transparency Deutschland getragen.

Die 3 neuesten Bewertungen von 161 insgesamt

Klicken Sie auf die einzelnen Leitlinien, um detailliertere Informationen zur Bewertung zu erhalten.

Leitlinie Federführende Fachgesellschaft(en) Punkte
(0-18)
Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP),
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI),
Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie
6
Myotone Dystrophien, nicht dystrophe Myotonien und periodische Paralysen Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) 8
Kutane Lymphome Deutsche Krebsgesellschaft (DKG),
Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)
6
Gut! (11-18)
Achtung! (6-10)
Reformbedarf! (0-5)
Alle 161 Bewertungen

Verteilung der Bewertungen

Median: 6 Punkte

Veranstaltung zu Anwendungsbeobachtungen am 16.11.2017 in Berlin

Transparency Deutschland lädt zur Information und Diskussion über „Anwendungsbeobachtungen“ ein. Diese Post-Marketing-Studien sind aufgrund ihrer meist geringen wissenschaftlichen Qualität und ihres korruptiven Potenzials umstritten. Es wird also spannend!

Programm (pdf)

Reformvorschlag der AWMF zum Umgang mit Interessenkonflikten

(27.12.2016) Bereits im Juni hat die AWMF ihren Mitgliedsgesellschaften neue Regeln für den Umgang mit Interessenkonflikten bei Leitlinienprojekten vorgeschlagen, zunächst als Probeversion für den Praxistest. Wichtige Vorgaben sind die Bewertung von Interessenkonflikten durch ein unabhängiges Gremium, die Unabhängigkeit der Mehrheit der Koordinatoren, der Ausschluss von Experten mit gravierenden Interessenkonflikten und eine Enthaltungsregel bei Abstimmungen für Beteiligte mit relevanten Interessenkonflikten. Die neuen Regeln wurden auf der Berliner AWMF-Tagung im Dezember 2016 bekräftigt und entsprechen in vieler Hinsicht den Vorschlägen von Leitlinienwatch.

Interessenkonflikte bei Impfempfehlungen

(19.6.2016) Auch wenn formal nicht als solche bezeichnet, kommt der jährlich von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts herausgegebenen Impfempfehlung zweifelsohne der Charakter einer Leitlinie zu – sowohl in der ärztlichen Praxis als auch im juristischen Verständnis.

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Nachrichten

USA: Nur wenige Leitlinienautoren geben ihre Interessenkonflikte vollständig an

(27.10.2017) Der Physician Payment Sunshine Act hat in den USA zur Offenlegung aller Zahlungen der Industrie an Ärzte geführt. Dadurch wurde ein Abgleich mit den Interessenkonflikterklärungen von Leitlinienautoren möglich. Das traurige Ergebnis: Von den Autoren, die mehr als 5000 $ pro Jahr erhalten hatten, machten nur 11% korrekte Angaben. Für Leitlinienwatch bedeutet dies, dass wir in Deutschland ebenfalls mit verschwiegenen Interessenkonflikten rechnen müssen. Da es hierzulande noch keine verpflichtende Offenlegung der Zahlungen gibt, bleibt das Ausmaß des Problems im Dunkeln.

„Patient ohne Verfügung“ von Matthias Thöns: über die Verirrungen der Medizin am Lebensende

(28.02.2017) Innerhalb weniger Monate ist „Patient ohne Verfügung“ zum Bestseller geworden. Wahrscheinlich hat noch niemand die Vergehen der Medizin an Sterbenden so wissend und treffend beschrieben wie der Palliativmediziner Matthias Thöns aus Witten. Egal ob es um belastende Chemotherapie im Endstadium einer Krebserkrankung, Herzdruckmassage im Sterbebett oder künstliche Ernährung bis zum letzten Atemzug geht: der Medizinbetrieb neigt gerade am Lebensende zur belastenden Übertherapie.

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Medscape berichtet über Leitlinienwatch

(06.10.2016) Das ärztliche Internetportal Medscape hat das Thema Interessenkonflikte bei Leitlinien aufgegriffen. Unter dem Titel Leitlinien auf dem Prüfstand: Noch immer zu starke Querverbindungen zwischen Industrie und führenden Fachvertretern veröffentlicht Medscape ein Interview mit unserem Gründungsmitglied Thomas Lempert, das kürzlich auf dem DGN-Kongress in Mannheim aufgezeichnet wurde.

Der europäische Sunshine-Act: Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärzte offengelegt

(26.07.2016) Seit dem 30.6.2016 ist der europäische Sunshine-Act am Netz, also die Offenlegung der finanziellen Zuwendungen der Pharmabranche an einzelne Ärzte, zunächst für das Jahr 2015. Im Unterschied zum amerikanischen Vorbild gibt es jedoch keine zentrale Datenbank, sondern einzelne Dateien für jedes der insgesamt 40 Mitglieder des Europäischen Pharmaverbands EFPIA. Anders auch als in den USA musste jeder Arzt und jede Ärztin der Veröffentlichung zustimmen.

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Nach Dialog mit der Fachgesellschaft: Leitlinie Zervixkarzinom von gelb auf grün gestuft

(10.07.2016) Die Leitlinie Zervixkarzinom wurde von leitlinienwatch.de zunächst mit 10 Punkten (gelb) bewertet. Nach kritischen Rückmeldungen der Fachgesellschaft wurde deutlich, dass Bonuspunkte ursprünglich nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. Die erneute Bewertung ergab nun einen weiteren Bonuspunkt, so dass insgesamt 11 Punkte erreicht werden (grün).

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Interessenkonflikte

Ärztinnen und Ärzte brauchen Leitlinien, um ihre Patienten nach der besten wissenschaftlichen Evidenz zu behandeln. Daher dürfen Leitlinien nicht von den kommerziellen Motiven der Arzneimittelfirmen und der Medizinprodukteindustrie beeinflusst werden.

Die ärztlichen Autoren medizinischer Leitlinien sind jedoch häufig mit der Industrie verflochten, beispielsweise durch Beraterverträge, Vortragshonorare und Industrie-finanzierte Studien. Dadurch entstehen Interessenkonflikte, die nicht nur offengelegt, sondern in ihren Auswirkungen minimiert werden müssen.

Oder anders gesagt: Wer für einen Hersteller arbeitet, kann nicht dessen Produkte in einer Leitlinie bewerten.

Die 5 Prinzipien

In der internationalen Diskussion kristallisieren sich 5 Prinzipien zum adäquaten Umgang mit Interessenkonflikten heraus: 1-3

  • Offenlegung und unabhängige Bewertung von Interessenkonflikten,
  • Minimierung des Anteils befangener Mitlieder einer Leitliniengruppe,
  • Federführende Autoren ohne Interessenkonflikte,
  • Enthaltung bei Abstimmungen wenn Interessenkonflikte bestehen
  • Internet-basierte Diskussion des Leitlinienentwurfs durch die Fachöffentlichkeit und Patienten
  1. AWMF-Regel für das Leitlinienregister: Erklärung von Interessen und Umgang mit Interessenkonflikten bei Leitlinienvorhaben. Version 2.3, Stand: 30.06.2016 – Betaversion für Praxistest
  2. Guidelines International Network: Principles for Disclosure of Interests and Management of Conflicts in Guidelines, 2015
  3. Institute of Medicine, Clinical Practice Guidelines We Can Trust, 2011

Das Projekt

Die deutsche Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) verlangt bisher nur die Offenlegung der Interessenkonflikte und empfiehlt befangenen Autoren die Enthaltung bei Abstimmungen. Derzeit entwickelt die AWMF ein neues Regelwerk, das unseren Vorschlägen wahrscheinlich sehr nahe kommen wird.

Das Projekt leitlinienwatch.de bewertet Leitlinien nach diesen 5 Kriterien, um die Erwartungen der Ärzteschaft und der Gesellschaft an die unabhängige Erstellung von Leitlinien auszudrücken. Leitlinienwatch.de will gute und verbesserungswürdige Beispiele aufzeigen.

Bewertung

Unsere Bewertungen werden von zwei Gutachtern erstellt, davon ist mindestens eine(r) Arzt oder Ärztin. Grundlage sind die publizierten Angaben zum Umgang mit Interessenkonflikten in der jeweiligen Leitlinie und im begleitenden Leitlinienreport (www.awmf.de).

Wir informieren die verantwortlichen Fachgesellschaften von jeder neuen Bewertung und geben Gelegenheit zu einer Selbstbewertung und Kommentierung.

Kriterien der Bewertung

Zu den bewerteten Leitlinien

Bitte unterzeichnen Sie unseren Appell für unabhängige Leitlinien, der sich an die deutschen medizinischen Fachgesellschaften und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften richtet.

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