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Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms

Erscheinungsjahr (Stand): 2017

Klassifikation: s3

Registernummer: 145-004

Federführende Fachgesellschaft(en):
Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 14

Bewertung durch leitlinienwatch.de

18.12.17


Pkt.

Bewertungskriterium

3

Transparenz

Interessenkonflikte werden detailliert in Tabelle 5 des Leitlinienreports S. 36-46 angegeben. Die IK aller Teilnehmer wurden durch den Koordinator der Steuerungsgruppe bewertet und anschließend allen Mitgliedern zur Kommentierung vorgelegt. Bei diskrepanten Einschätzungen wurde die Methodenbeauftragte der AWMF hinzugezogen (Leitlinienreport S. 13)
Nach interner Diskussion wurden nicht nur materielle, sondern auch immaterielle Interessenkonflikte als leitlinienrelevant eingestuft.
Materielle Interessenkonflikte wurden wie folgt definiert: "Honorare für Vorträge und Beratungen für pharmazeutische Firmen wurden als Interessenkonflikt bewertet, wenn diese Firmen Medikamente, die beim FMS eingesetzt werden, herstellen oder vertreiben" (LL-Report S. 12).
Als immaterielle IK wurde gewertet, wenn "z.B. ... die wissenschaftlichen oder klinischen Schwerpunkte der Betroffenen durch Empfehlungen der Leitlinie berührt werden (z. B. Erfolgsaussichten von Forschungsanträge; erfolgsabhängige Gehaltszahlungen in Abhängigkeit der Belegung der Klinik)" (Leitlinienreport S. 12-13).
Trotz des vorbildlichen internen Umgangs mit Interessenkonflikten, gibt es leider keine öffentlich zugänglichen Angaben darüber, welche Interessenkonflikte der Teilnehmer als leitlinienrelevant eingestuft wurden und welche Konsequenzen sich hieraus ergaben.

1

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

13 von 46 Mitgliedern der Leitliniengruppe mit Angabe von finanziellen Beziehungen zu pharmazeutischen Unternehmen. Die Relevanz der angegebenen Interessenkonflikte wird allerdings nicht transparent bewertet. Zwei Mitglieder haben keine Erklärung zu Interessenkonflikten abgegeben, wobei eines der zwei Mitglieder aufgrund fehlender aktiver Beteiligung an der Leitliniengruppe vom Konsensusverfahren ausgeschlossen wurde (Leitlinienreport S. 11).

2

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

Von 15 Mitgliedern der Steuergruppe geben 3 Interessenkonflikte an. Von zwei Mitgliedern der Steuerungsgruppe liegt keine Erklärung zu IK vor, eines der beiden Mitglieder wurde aufgrund fehlender aktiver Teilnahme von den Konsensuskonferenzen ausgeschlossen. (Leitliniereport S. 11 und 29).

1

Enthaltung bei Abstimmungen

Es gibt keine Angaben zu Enthaltungsregeln/Abstimmungsergebnissen (Leitlinienreport S. 13 und 14).
Bei dem Online-Abstimmungsverfahren ist eine zweifache Auszählung vorgenommen worden, einmal ohne Teilnehmer mit Interessenkonflikten, das zweite Mal mit allen Teilnehmern. Wurde kein starker Konsens erzielt, wurde das Abstimmungsergebnis aller Teilnehmer (mit und ohne Interessenkonflikte) in die Leitlinie übernommen. Gerechtfertigt wurde dies damit, dass "protektive Faktoren" im Hinblick auf systematische Verzerrung vorgelegen hätten (LL-Report S. 13 und 14). Somit wurde keine konsequente Enthaltungsregel angewandt.

3

Externe Beratung der Leitlinie

Vorbildlich!
S. Anhang 1 (Leitlinienreport S. 80-87) sowie Anhang 2: ein externes Gutachten der
Schweizerische Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (Leitlinienreport S. 88-89) sowie der Österreichischen Schmerzgesellschaft (Leitlinienreport S. 90).
Zudem werden Kommentare aus einer öffentlichen Kommentierung durch die Fachöffentlichkeit und Antworten der Leitliniengruppe im Anhang 1 zur Einsicht bereit gestellt (Leitlinienreport S. 80-87).

3

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

- Offenlegung und Diskussion der Interessenkonflikte in der Leitliniengruppe
- Einschluss immaterieller Interessen als potentielle Interessenkonflikte
- Plurale Zusammensetzung der Leitliniengruppe
- Klare Bewertungskriterien für Interessenkonflikte
- Systematische Literaturrecherche
- starker Konsens bei den meisten der Empfehlungen?
- Evidenzbewertung nach dem GRADE System (Leitlinienreport S. 19)
- Berücksichtigung von Cochrane Reviews (Leitlienienreport S. 16)
- Bewertung und Verwendung von Quell-Leitlinien (Leitlinienreport S. 15 und 16)


Erläuterungen zu den Bewertungskriterien

Gesamtpunktzahl

13

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Als positiv sehen wir die intensive interne Auseinandersetzung der Leitliniengruppe zum Umgang mit Interessenkonflikten. Hervorzuheben ist insbesondere das vorbildliche Vorgehen in Bezug auf externe Begutachtung durch die Fachöffentlichkeit. Beim Umgang und der Bewertung von Interessenkonflikten empfehlen wir in Zukunft, dass bei den Firmenkontakten mit Bezug zur LL das relevante Produkt genannt werden sollte, weil nur so die Bewertung nachvollziehbar wird.
Kritisch sehen wir die Finanzierung der Leitlinie durch die Deutsche Schmerzgesellschaft, die ihrerseits - entsprechend den Angaben auf ihrer Website - durch Pharmafirmen finanzielle Unterstützung erhält. Somit besteht die Gefahr von indirekten/institutionellen Interessenkonflikten. Die Unabhängigkeit einer wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften von industriellen Interessen und Geldern halten wir für konstitutiv.

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.