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Die Normalisierung der Korruption – in der CDU und in medizinischen Fachgesellschaften

Aktuell versinkt die CDU in einem Korruptionsskandal um Schutzmaskendeals, Lobbyismus und persönlicher Bereicherung, ohne wirklich zu verstehen, wie ihr geschieht. Erhellend ist da ein soziologischer Klassiker, auf den der Kolumnist Christian Stöcker auf Spiegel Online hinweist: The normalization of corruption in organizations, ein Artikel, der bereits 2003 in der Zeitschrift Research in Organizational Behavior erschien.

Darin geht es um die Mechanismen, die in Organisationen zur Normalisierung korrupten Verhaltens führen. Betroffen sind natürlich nicht nur Parteien, sondern auch Firmen, Sportverbände oder medizinische Fachgesellschaften mit Verflechtungen zur Pharmaindustrie. Die Autoren nennen drei wesentliche Wirkfaktoren:

  • Institutionalisierung, wobei eine ursprüngliche korrupte Entscheidung in Strukturen und Prozesse eingebettet und so zur Routine gemacht wird („Industriesymposien sind seit jeher integraler Bestandteil unserer Kongresse“),
  • Rationalisierung, wobei sich eigennützige Narrative entwickeln, um Korruption zu rechtfertigen oder sogar aufzuwerten („Die Kooperation der Fachgesellschaft mit der Industrie kommt letztlich unseren Patienten zugute“),
  • Sozialisierung, wobei naiven Neuzugängen beigebracht wird, Korruption als gestattet, wenn nicht sogar erstrebenswert zu betrachten („3000,- Euro Honorar für einen Vortrag kannst Du ruhig akzeptieren, das ist marktüblich“).

Die Volkspartei CDU erleidet gerade einen schmerzlichen Verlust ihrer Glaubwürdigkeit, da sie es jahrelang versäumt hat, sich und ihre Amtsträger von Wirtschaftsinteressen zu entflechten.