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Diagnostik und Therapie von Harnstoffzyklusstörungen

Erscheinungsjahr (Stand): 2018

Klassifikation: s3

Registernummer: 027-006

Federführende Fachgesellschaft(en):
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 5

Bewertung durch leitlinienwatch.de

01.07.18


Pkt.

Bewertungskriterium

1

Transparenz

Die Interessenkonflikte werden pauschal (ja/nein) angeben und durch den Leitlinienkoordinator bewertet sowie offen in der Leitliniengruppe diskutiert (siehe separates Dokument "Angaben zu Interessenkonflikten" und Leitlinienreport S. 9 und 10).
Die zahlreichen Interessenkonflikte werden allesamt als IK mit "low Impact" gewertet, "weil die Inhalte der Leitlinie überwiegend keine direkte Verbindung zu kommerziellen Anbietern von Medikamenten oder Diätprodukten" hätten (Leitlieninreport S. 10). Dies ist allerdings aufgrund der pauschalen Dokumentation für den Leser nicht nachvollziehbar.

0

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

13 von 16 Mitgliedern der Leitliniengruppe geben zahlreiche Interessenkonflikte an, davon sind 9 Autoren Mitglieder in Advisory Boards. Im Leitlinienreport heißt es zudem, dass die Leitliniengruppe um 3 Mitglieder ohne Interessenkonflikte ergänzt worden sei. Ein Mitglied der Vorgänger-Version der Leitlinie wurde nach Eintritt in ein pharmazeutisches Unternehmen aus dem aktuellen Überarbeitungsprozess ausgeschlossen (Leitlinienreport S. 9 und 10). Ingesamt wird durch diese Angaben eine enge Beziehung der Autoren zu pharmazeutischen Unternehmen nahegelegt. Eine detaillierte Dokumentation der Interessenkonflikte mit Angabe zu Firmen und Produkten könnte hier zu mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit beitragen.

0

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

Der Leitlinienkoordinator (Vorsitzender) gibt zahlreiche Interessenkonflikte an (s. separates Dokument "Angaben zu Interessenkonflikten").

0

Enthaltung bei Abstimmungen

Zwar habe sich der Leitlinienkoordinator bei bestimmten Empfehlungen (#18, #19, #21, #32, #36) der Stimme enthalten (Leitlilienreport S. 7). Allerdings ergibt sich hieraus keine erkennbare Enthaltungsregel. Es bleibt zudem unklar, warum sich andere Mitglieder der Leitliniengruppe (9 von 16 Mitgliedern in Advisory Boards), die ebenfalls zahlreiche Interessenkonflikte angeben, nicht enthalten. Dieses Vorgehen rechtfertigt aus unserer Sicht keine Punktvergabe.

0

Externe Beratung der Leitlinie

Die Leitlinie wurde den beteiligten Fachgesellschaften zur Begutachtung vorgelegt. In einem Fall wurde diese durch alle Mitglieder einer Fachgesellschaft intern diskutiert und bewertet. Dies ist nach der Systematik von Leitlinienwatch nicht als externer, sondern als interner Beratungsprozess zu werten (siehe Leitlinienreport S. 8 und 9). Da es sich um ein kleines Spezialgebiet handelt, ist eine öffentliche Begutachtung hier möglicherweise weniger praktikabel als bei häufigen Erkrankungen.

2

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

- Systematische Literaturrecherche mit Berücksichtigung von Cochrane-Reviews (Leitlinienreport S. 5).
- offene Diskussion der Interessenkonflikte in der Leitliniengruppe


Erläuterungen zu den Bewertungskriterien

Gesamtpunktzahl

3

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Internationales Leitlinienprojekt. Wie auch schon in der vorherigen Version der Leitlinie bleibt die Finanzierung der Leitlinie durch den "Leitlinien-Pool" der Arbeitsgruppe für Pädiatrische Stoffwechselstörungen (APS) problematisch, auch wenn ein direkter Einfluss auf die Inhalte der Leitlinie nach den Angaben des Leitlinienreports ausgeschlossen wurde (Leitlinienreport S. 9). Gleichzeitig gibt die Mehrzahl der Mitglieder finanzielle Beziehungen zur Industrie an, ohne dass diese konkret benannt werden. Ein Regelwerk zur Minimierung des Einflusses von Interessenkonflikten wird aus den Leitliniendokumenten nicht erkennbar. Unsere kritische Bewertung bedeutet nicht, dass die Inhalte dieser Leitlinie tatsächlich durch Interessenkonflikte beeinflusst wurden, sondern dass bisher keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen wurden, um dieses Risiko nachvollziehbar zu minimieren.

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.