Therapie der Psoriasis vulgaris

Erscheinungsjahr (Stand): 2025

Klassifikation: s3

Registernummer: 013-001

Federführende Fachgesellschaft(en):
Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 5

Bewertung durch leitlinienwatch.de

16.11.25


Pkt.

Bewertungskriterium

2

Transparenz

Die Interessenkonflikte (IK) sind detailliert dokumentiert und werden durch den Leitlinienkoordinator bewertet. Dabei soll auf die AWMF-Klassifikation zurückgegriffen worden sein (s. Leitlinienreport, S. 8 und https://www.awmf.org/regelwerk/erklaerung-von-interessen-und-umgang-mit-interessenkonflikten). Mehrere der Bewertungen sind jedoch nicht nachvollziehbar (siehe folgendes Kriterium). Wir hatten dies schon bei der Vorgängerversion der Leitlinie kritisiert, weswegen wir die nach unseren Kriterien eigentlich formal gerechtfertigte Vergabe von 3 Punkten hier auf 2 Punkte reduzieren.

0

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

Die Leitliniengruppe setzt sich aus 21 Autor*innen, drei Patientenvertreter*innen und fünf Methodiker*innen zusammen. Da wir die nicht stimmberechtigten Methodiker*innen nicht werten, verbleiben 24 Mitglieder der Leitlinienkommission, von denen wir bei 13 finanzielle Interessenkonflikte sehen, somit bei mehr als 50%. Dies unterscheidet sich von der eigenen Zählung der Leitliniengruppe, die IK bei 10 von 25 (?) Autor*innen feststellt (s. Leitlinienreport S. 9).

Wir sehen allerdings zum einen Interessenkonflikte, welche nicht als solche gewertet wurden (bspw. Studiendurchführung für Janssen-Cilag und AstraZeneca, bezahlte Vortragstätigkeit für AstraZeneca, alles Hersteller teurer Psoriasis-Antikörpertherapeutika). Zum anderen fanden wir finanzielle Interessenkonflikte mit unzureichender Deklaration ("Sponsoring von Kongressteilnahmen" ohne Angabe des Sponsors) und in zwei Fällen eine aus unserer Sicht falsche Einstufung des Schweregrads. So ist eine Advisory-Board-Tätigkeit nach AWMF-Kriterien als moderater Interessenkonflikt zu werten, wird hier jedoch in zwei Fällen als "geringer Interessenkonflikt" eingeordnet, obwohl beide Leitlinienautoren eine Mitarbeit in Advisory-Boards von einem bzw. sogar sechs (!) verschiedenen Herstellern von Psoriasis-Therapeutika (meist Antikörpertherapeutika) angeben.
Auch wenn ein inhaltlicher Bezug zum Leitlinienthema bei einem der beiden Autoren verneint wird, birgt die Zusammenarbeit dennoch das Risiko einer durch sekundäre Interessen veränderten Urteilsfindung und wird deswegen von uns als Interessenkonflikt gewertet. Der Interessenkonflikt entsteht ja dadurch, dass Geld von "interessierter Seite" geflossen ist, unabhängig vom Thema der Zusammenarbeit.

3

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden AutorenUnabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

Der Leitlinienkoordinator gibt keine Interessenkonflikte an, er wird zudem (wenngleich auch selbst Dermatologe) als Methodiker geführt und ist bei den Abstimmungen nicht stimmberechtigt.

2

Enthaltung bei Abstimmungen

Die Anzahl der Enthaltungen aufgrund von IK ist bei jeder Abstimmung dokumentiert. Sie liegt jedoch in fast allen Fällen unter der Zahl der Autor*innen, die sich gemäß IK-Bewertung enthalten müssten (bspw. 6 Mitglieder mit "Stimmenthaltung bei Abstimmungen zu Therapiezielen, Systemtherapien sowie Alternativen dazu", die angegebenen Stimmenthaltungen liegen in den meisten Fällen bei 3-5 Mitgliedern). Das mag daran liegen, dass nicht alle Autor*innen bei der Abstimmung zugegen waren, lässt sich aber anhand der vorliegenden Leitliniendokumente leider nicht nachvollziehen. Wir vergeben daher nur 2 von 3 Punkten.

3

Externe Beratung der Leitlinie

Die Leitlinie (LL) konnte über eine öffentliche Website kommentiert werden, die Kommentare sowie ggf. daraus folgende Änderungen der Leitlinie sind im Leitlinienreport ausführlich dokumentiert.

2

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

Wir vergeben zwei Bonuspunkte - für die plurale Zusammensetzung der Leitliniengruppe mit Patientenvertretern und Methodiker*innen sowie die systematische Evidenzaufbereitung.


Erläuterungen zu den Bewertungskriterien

Gesamtpunktzahl

12

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Die Entstehungsgeschichte der vorliegenden Leitlinie ist komplex. Es handelt sich nicht einfach um ein Update der zuletzt auf dem Stand von 2017 von uns bewerteten deutschen Psoriasis-Therapieleitlinie. Vielmehr hat die deutsche Leitliniengruppe über die Empfehlungen einer europäischen Leitlinie (einsehbar unter https://www.guidelines.edf.one/guidelines/psoriasis-guideline) des "EuroGuiDerm – Centre for Guidelines Development" in einem strukturierten Prozess erneut abgestimmt und dabei in einigen Punkten Anpassungen vorgenommen. Die Evidenzaufbereitung der zugrundeliegenden europäischen Leitlinie erfolgte wiederum zu großen Teilen im Rahmen eines systematischen Cochrane-Reviews, an dem ein Mitglied der Leitliniengruppe beteiligt war. Subthemen wurden im Rahmen systematischer Literaturrecherchen oder auch nur narrativer Reviews bearbeitet.

Das Ergebnis ist eine aus methodischer Sicht und im Hinblick auf den Umgang mit Interessenkonflikten gute aber längst nicht makellose Leitlinie. Gegenüber der zuletzt von uns bewerteten Version von 2017 ist als Verbesserung hervorzuheben, dass der LL-Koordinator nun frei von Interessenkonflikten ist und die Kommentare des externen Reviews sowie der Umgang damit öffentlich dokumentiert sind. Kritikpunkte sind die teils nicht nachvollziehbare Schweregrad-Einstufung der IK und der weiterhin sehr hohe Anteil der LL-Autor*innen mit Interessenkonflikten. Lobenswert (und auch bei anderen LL mehrfach bereits von uns gefordert) ist, dass die LL-Gruppe entsendende Fachgesellschaften bat, bei neuen LL-Autor*innen nur solche ohne IK auszuwählen (Leitlinienreport, S. 8). Dies kann ein wirksames Mittel sein, um im Laufe der Zeit den Anteil der IK-behafteten Autor*innen zu reduzieren. Leider war dies nur mäßig erfolgreich, nach unserer Zählung weisen auch 6 der 10 neuen Autor*innen finanzielle IK auf (nach LL-Angaben 2/10).

In der zugrundeliegenden europäischen Leitlinie gibt ein knappes Drittel der Autor*innen finanzielle Interessenkonflikte an (https://www.guidelines.edf.one//uploads/attachments/cm9h6q2jc9fcerwjrs4idvuun-a-methods-report-feb-2025.pdf, Seite 7). Auch das "Dankeschön" an "external stakeholders who submitted feedback during the review phase" - einer Tabelle mit dem Who-is-who der pharmazeutischen Unternehmen im Bereich der Psoriasis-Immuntherapie - lässt kritische Distanz vermissen (S. 24/Tabelle 14 des vorgenannten Dokuments).

Abschließend noch eine Anmerkung zur Beteiligung von Patient*innen im Leitlinien-Entwicklungsprozess: Diese begrüßen wir ausdrücklich, um zu verhindern, dass medizinische Leitlinien an den Hauptbetroffenen vorbei entwickelt werden. Leider werden deren Vertreter*innen bei vielen Leitlinien von Selbsthilfe-Organisationen entsandt, welche finanzielle Unterstützung durch die pharmazeutische Industrie erhalten.
In der Erstellung der Psoriasis-Leitlinie sind drei Patientenvertreter involviert gewesen, allesamt aktuelle oder ehemalige Vorstandsmitglieder des Deutschen Psoriasis-Bunds e.V. Wenngleich keiner der drei Vertreter eigene finanzielle IK deklariert, gibt doch der Psoriasis-Bund e.V. in seiner Selbstauskunft an, im Berichtsjahr 2024 knapp über 150.000 Euro und damit fast ein Viertel seiner Einnahmen von Unternehmen der pharmazeutischen Industrie erhalten zu haben (https://www.psoriasis-bund.de/fileadmin/images/download/2024_DPB-Selbstauskunft_ueber_Einnahmen_von_Wirtschaftsunternehmen.pdf). Wir sehen hierin einen erheblichen institutionellen Interessenkonflikt, welcher jedoch außerhalb des Rahmens dieser Leitlinienbewertung liegt.

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.