Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr

Erscheinungsjahr (Stand): 2023

Klassifikation: s3

Registernummer: 183-001

Federführende Fachgesellschaft(en):
Dachverband der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e.V.

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 18

Bewertung durch leitlinienwatch.de

11.02.24


Pkt.

Bewertungskriterium

3

Transparenz

Der Umgang mit Interessenkonflikten wurde im Leitlinienreport ab Seite 56 dokumentiert (https://register.awmf.org/assets/guidelines/183-001m_S3_Prophylaxe-Diagnostik-Therapie-der-Osteoporose_2023-09.pdf): Die Koordinatorin der Leitliniengruppe überprüfte und bewertete mit Unterstützung der AWMF die Interessenkonflikte. Die Koordinatorin erhielt als Beraterin selbst Gelder von pharmazeutischen Unternehmen, die Osteoporosepräparate verkaufen. Berater- und Gutachtertätigkeit/Drittmittelforschung wurde als moderater Interessenskonflikt bewertet mit der Folge der Stimmenthaltung bei Abstimmungen in Konsensuskonferenzen.

1

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

Von 46 beteiligten Autoren geben 23 Autoren relevante Interessenkonflikte an.

0

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden AutorenUnabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

Die federführende Autorin und Koordinatorin erhielt als Beraterin selbst Gelder von pharmazeutischen Unternehmen, die Osteoporosepräparate verkaufen.

1

Enthaltung bei Abstimmungen

Im Leitlinienreport steht dazu: "Frau Dr. ... achtete darauf, dass bei Abstimmungen über Themen, die für einzelne Mitglieder der Leitlinienkommssion einen möglichen Interessenskonflikt darstellen könnten, diese sich der Stimme enthielten. Dies traf auf eine von 100 Empfehlungen zu. Hohe Interessenkonflikte lagen bei keinem Mitglied der
Leitlinienkommission vor." Es bleibt unklar, warum die Tätigkeit als Berater für ein pharmazeutischen Unternehmen, welches Osteoporosepräparate verkauft, als "geringer" Interessenkonflikt ohne Notwendigkeit der Stimmenthaltung gewertet wurde.

3

Externe Beratung der Leitlinie

Laut Leitlinienreport erfolgte die Beratung sowohl durch die Fachöffentlichkeit als auch über das Internet: Zwei Vorschläge wurden daraus konkret umgesetzt.

2

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

Plurale Zusammensetzung der Leitliniengruppe
Systematische Literaturrecherche/Recherche nach evidenzbasierten Leitlinien


Erläuterungen zu den Bewertungskriterien

Gesamtpunktzahl

10

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Diese Bewertung überprüft die Aktualisierung der gleichnamigen S3-Leitlinie von 2017. Positiv hervorzuheben ist, dass im Gegensatz zu 2017 nun die Interessenkonflikte aller Autoren erfasst wurden. Dennoch bleiben auch bei dieser aktualisierten Leitlinie, die als Behandlungsleitfaden der Volkskrankheit Osteoporose eine große gesundheitsökonomische Bedeutung hat, wieder unregulierte Interessenkonflikte ein zentrales Problem. Dies beginnt mit der mangelnden Unabhängigkeit der federführenden Autorin, setzt sich bei der uverändert großen Anzahl von Interessenkonflikten von der Hälfte der Autoren fort und gipfelt in der Regelung, dass die Tätigkeit als Berater für ein pharmazeutisches Unternehmen, welches Osteoporosepräparate verkauft als nur "geringer" Interessenkonflikt ohne Notwendigkeit der Stimmenthaltung gewertet wird.
Dass solche Beraterverträge mit den Herstellern der zu bewertenden Produkte keinen schweren Interessenkonflikt für einen Leitlinienautor darstellen, mag der Selbsteinschätzung der Beteiligten entsprechen - der Öffentlichkeit wird diese Sichtweise kaum zu vermitteln sein.

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.