teilen:

Der europäische Sunshine-Act: Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärzte offengelegt

Seit dem 30.6.2016 ist der europäische Sunshine-Act am Netz, also die Offenlegung der finanziellen Zuwendungen der Pharmabranche an einzelne Ärzte, zunächst für das Jahr 2015. Im Unterschied zum amerikanischen Vorbild gibt es jedoch keine zentrale Datenbank, sondern einzelne Dateien für jedes der insgesamt 40 Mitglieder des Europäischen Pharmaverbands EFPIA. Anders auch als in den USA musste jeder Arzt und jede Ärztin der Veröffentlichung zustimmen.

Die Bereitschaft dazu war in Deutschland gering: nur 29% der Ärzte willigten ein, womit das Ziel der Transparenz verfehlt wurde. Manche Pharmavertreter sind vorab in den Praxen mit der Botschaft aufgetaucht: „Brauchen Sie nicht zu machen, Ihre Kollegen tun es auch nicht“. Auch etliche „Meinungsführer“ haben der Offenlegung nicht zugestimmt, auch wenn sie über ihre Interessenkonflikterklärungen bei Publikationen und Leitlinien als Empfänger von Zuwendungen bekannt sind. Im Sinne der Transparenz können die Firmenlisten nur der erste Schritt sein. Die investigativen Journalisten von Correctiv zeigten, dass man es besser machen kann und führten die Firmendateien zu einer recherchierbaren Datenbank zusammen.

Aufschlussreich sind die Unterschiede zwischen einzelnen Firmen. Während es GlaxoSmithKline gelang, 92% der Ärzte zur Offenlegung der Zahlungen zu bewegen, brachte es bei Sanofi Aventis nur auf 16%. Wenn das Transparenzprojekt der europäischen Pharmaindustrie gelingen soll, müssen ab dem nächsten Jahr alle Firmen Offenlegungsraten nahe 100% erreichen. Dies geht auch im Rahmen der geltenden Datenschutzbestimmungen sehr einfach, indem man Zahlungen an die Bereitschaft zur Offenlegung koppelt, so wie es die Firma GlaxoSmithKline vormacht. Wenn die Selbstverpflichtung der Industrie scheitert, brauchen wir eine gesetzliche Pflicht zur Offenlegung nach dem Vorbild der USA.