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Gichtarthritis – fachärztliche Versorgung

Erscheinungsjahr (Stand): 2016

Klassifikation: s2e

Registernummer: 060-005

Federführende Fachgesellschaft(en):
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh)

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 0

Bewertung durch leitlinienwatch.de

01.07.16


Pkt.

Bewertertungskriterium

2

Transparenz

Die IK von 11 Autoren sind detailliert aufgelistet, eine Bewertung der IK nahmen die Autoren jeweils für sich selbst vor und sahen für sich in keinem Falle relevante IK (LL-Report S. 27). Von einem Autor liegt keine IK-Erklärung vor.

0

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

10 von11 Autoren geben IK an, alle 10 mit mindestens einer der beiden Firmen, die die LL auch sponsern und deren Produkte in der Leitlinie in der LL empfohlen werden. Auch die LL-Koordinatorin gibt IK (u.a. mit einer dieser Firmen) an.

0

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

s.o.

1

Enthaltung bei Abstimmungen

Es ist eine Enthaltungsvereinbarung dokumentiert (LL-Report S. 21) - die Autoren schätzten ihre teilweise zahlreichen IK jedoch selber als für die LL-Erstellung nicht relevant an, obwohl allein 10 von11 Autoren IK mit mindestens einer der beiden sponsernden Pharmafirmen angaben, deren jeweilige Produkte in der Leitlinie eine wichtige Rolle spielen.

3

Externe Beratung der Leitlinie

Der Entwurf wurde auf der Website der DGRh veröffentlicht: Der Umgang mit eingehenden Änderungsvorschlägen wird beschrieben (LL-Report S. 20).

2

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

- Systematische und methodisch gut dokumentierte Literaturrecherche und -bewertung.
- Verwendung von Quell-Leitlinien und Cochrane-Reviews


Erläuterungen zu den Berwertungskriterien

Gesamtpunktzahl

8

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Diese so wichtige LL aus dem Jahr 2016 zeigt beispielhaft die unter Ärzten oft fehlende Sensibilität bezüglich der Problematik von IK für eigene Entscheidungsprozesse:
- die LL wurde von Novartis (Präparat: Ilaris) mit € 60.000 und von Berlin Chemie (Gichtpräparat: Adenuric) mit € 10.000 direkt subventioniert (LL-Report S. 21).
- 10 von 11 LL-Autoren geben einerseits IK mit mindestens einer dieser beiden Firmen an,
- halten diese andererseits für diese LL für nicht relevant,
- und dies, obwohl die Produkte dieser beiden Firmen in der LL empfohlen werden.
- Besonders schwer wiegt, dass dies auch für die LL-Koordinatorin gilt.

Die finanzielle Unterstützung des Leitlinienprozesses durch 2 Pharmafirmen kollidiert mit dem AWMF-Regelwerk: "Fertige Leitlinien, bei denen aus der Finanzierung Interessenkonflikte entstehen könnten...werden nicht in die AWMF-Publikation aufgenommen." (Ständige Kommission "Leitlinien" der AWMF: Das AWMF-Regelwerk Leitlinien, Version 1.1 vom 27.2.2013, Zuckschwerdt Verlag, München, S.15). Der Hinweis, dass die Firmen inhaltlich keine Einfluss genommen haben, reicht hier nicht aus, weil sich auch aus der Annahme der Gelder ohne vereinbarte Gegenleistung im Sinne einer Vorteilsnahme schwerwiegende Interessenkonflikte ergeben können. Dementsprechend raten wir der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, die Leitlinie aus dem AWMF-Register zurückzuziehen. Für die nächste Überarbeitung empfehlen wir neben dem Verzicht auf Industriegelder eine unabhängige Evaluation der IK und eine differenzierte, nachvollziehbare Enthaltungsregelung - oder, noch einfacher und besser, eine Autorengruppe mit deutlich weniger IK.
Anmerkung: LLW unterstützt unabhängige Finanzierungskonzepte für Leitlinien, beispielsweise durch einen Fond, in den der Staat, Krankenkassen und Arzneimittelhersteller einzahlen, damit sich solche Fenster der Einflussnahme gar nicht erst öffnen.

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.