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Empfehlungen der Ständigen Impfkommission

Erscheinungsjahr (Stand): 2020

Klassifikation: -

Registernummer: STIKO

Federführende Fachgesellschaft(en):
Ständige Impfkomission (STIKO)

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 0

Bewertung durch leitlinienwatch.de

03.05.20


Pkt.

Bewertungskriterium

3

Transparenz

Die Interessenkonflikte werden nach einem festgelegten Schema (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Mitgliedschaft/Interessenskonflikte/interessenskonflikte_node.html) abgefragt und auf der Webseite bei jedem Mitglied veröffentlicht. Laut RKI-Webseite wird einmalig vor Berufung vom Bundesgesundheitsministerium geprüft "ob Umstände von einem solchen Gewicht vorliegen, dass eine Berufung ausgeschlossen ist." Ferner sind die Mitglieder "verpflichtet, ihre vor der Berufung gemachten Angaben regelmäßig zu aktualisieren und vor jeder Sitzung mitzuteilen, ob zu einzelnen Tagesordnungspunkten Umstände vorliegen, die zu einem Ausschluss von der Beratung und Beschlussfassung führen könnten. Das Robert Koch-Institut prüft, ob derartige Umstände vorliegen. Wenn dies bei einem Mitglied der Fall ist, darf das Mitglied an der Beratung und Beschlussfassung zu einzelnen Tagesordnungspunkten oder an der Sitzung insgesamt nicht mitwirken." Als Grundlage gilt die Geschäftsordnung von 2014: Die IK werden durch das Robert-Koch-Institut extern bewertet. Als Kriterien der Bewertung sind die im §7 der STIKO-Geschäftsordnung genannten Ausschlussgründe anzusehen, die alle produktbezogenen Tätigkeiten für einen Impfstoffhersteller einschließen. Darüber hinaus ist nach Mitteilung des Robert Koch-Instituts auch die Mitgliedschaft in Beratergremien von Impfstoffherstellern („Advisory boards“) ein Ablehnungskriterium für die STIKO.
Laut der Standardvorgehensweise (SOP) der Ständigen Impfkommission (STIKO) für die systematische Entwicklung von Impfempfehlungen (11/2018) gilt weiterhin:
"STIKO-Mitglieder, für die bezüglich der Impfindikation der Anschein einer möglichen Befangenheit besteht, können nicht AG-Mitglieder werden. Sie können wie externe Experten zu informativen Zwecken bei den AG-Treffen angehört werden, nehmen aber an der abschließenden Beratung und Beschlussfassung der AG zum Empfehlungsentwurf nicht teil. Mögliche Interessenkonflikte der externen Experten werden einmal jährlich durch die GS abgefragt." https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Aufgaben_Methoden/SOP.pdf?__blob=publicationFile

1

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

Von 18 Mitgliedern geben 11 keine oder vom RKI lediglich als "unkritisch" eingeschätzte IK an (diese Bewertung ist aus unserer Sicht nachvollziehbar). 6 Mitglieder haben Interessenkonflikte, "die den Anschein der Befangenheit begründen" deklariert (führt zum Ausschluss von den betroffenen Beratungspunkten) (https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Mitgliedschaft/Mitglieder/mitglieder_node.html). Bei einem erst im März 2020 zur STIKO gekommenen Mitglied fehlt die IK-Erklärung noch.

3

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden AutorenUnabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

Federführende Autoren werden in den Empfehlungen auch weiterhin nicht explizit angegeben. Die STIKO erklärt, dass die Autorenschaft für die Empfehlungen „bei der STIKO an sich“ liegt. Der koordinierende STIKO-Vorsitzende und seine Stellvertreterin (in ihre Funktion wohl den LL-Koordinatoren vergleichbar) geben keine direkten finanziellen Verbindungen zu Herstellern von Impfprodukten an.

3

Enthaltung bei Abstimmungen

In den Protokollen werden Beschlussfassungen, Abstimmungsergebnisse und Ausschlüsse aufgrund der o.g. Geschäftsordnung dargestellt.

0

Externe Beratung der Leitlinie

Die STIKO holt in einem umfassenden internen Review Stellungnahmen verschiedener "Fachkreise" ein, beispielsweise der Fachgesellschaften, des Öffentlichen Gesundheitsdiensts und des Gemeinsamen Bundesausschusses. Ein externer Review ist nach den gesetzlichen Grundlagen der STIKO nicht vorgesehen und möglicherweise angesichts des umfassenden internen Reviews weniger sinnvoll als bei den Leitlinien der Fachgesellschaften. Nach unseren Kriterien können wir hier jedoch keinen Punkt vergeben, da es sich nicht um einen öffentlichen Review handelt. Der interne Review wird bei den Bonuspunkten honoriert.
(https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Aufgaben_Methoden/methoden_node.html)

3

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

Methodiker, darunter Fachleute der Cochrane-Zentren, werden eingebunden und erstellen systematische Reviews. Dabei wird u.a. die GRADE-Klassifikation zur Bewertung klinischer Studien verwendet.
- Reviewprozess mit Beteiligung verschiedener Institutionen (s. Kommentar bei Krit. 5).
- Detaillierte Erfassung der IK über einen langen Zeitraum von 6-10 Jahren.


Erläuterungen zu den Bewertungskriterien

Gesamtpunktzahl

13

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Seit unserer ersten Bewertung 2016 ist der Anteil der STIKO-Mitglieder mit relevanten Interessenkonflikten (die als Ausschlußkriterium für Abstimmungen gelten) weiter zurückgegangen. Der Entstehungsprozess der STIKO-Empfehlungen ist transparent und durch ein umfangreiches Review mit den beteiligten Institutionen beispielhaft. Lediglich vier Arbeitsgruppenmitglieder mit lt. STIKO relevanten Interessenkonflikten sind in beratender Funktion tätig, hier wäre das Vorgehen nach AWMF-Reglement zu erwägen: "Mitwirkende mit hohen Interessenkonflikten sollten nicht an Beratungen der Leitliniengruppe teilnehmen. Ihr Wissen kann in Form von schriftlichen Stellungnahmen eingeholt werden."

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.