Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie

Erscheinungsjahr (Stand): 2023

Klassifikation: s2k

Registernummer: 065-002

Federführende Fachgesellschaft(en):
Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA)

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 16

Bewertung durch leitlinienwatch.de

03.05.26


Pkt.

Bewertungskriterium

2

Transparenz

Interessenkonflikte sind detailliert dokumentiert. Die Autor*innen haben sich "mit Unterstützung der AWMF gegenseitig bewertet" (Leitliniendokument, S. 10).

0

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

Wir sehen finanzielle Interessenkonflikte bei 14 der 19 Mitglieder der Leitliniengruppe (die Vertreterin der AWMF zählen wir nicht zur Leitliniengruppe). Bei dreien davon ist kein Bezug zur Leitlinie und damit auch keine Konsequenz dokumentiert worden, obwohl eine Berater- bzw. Vortragstätigkeit für Hersteller direkter oraler Antikoagulantien (DOAKs) bzw. Berater- und Vortragstätigkeit für B. Braun (Hersteller u.a. von intravaskulären Diagnostik- und Therapiekathetern sowie Vena-Cava-Filtern) deklariert wird. Das Vertrauen in eine korrekte Dokumentation schmälert zudem die Anmerkung "Pfizer/Bayer Wiss. Beirat ggf. prüfen, ob themenrelevant, ggf. nur geringe IK wegen Vorträgen", die sich bei einem Autor in der Interessenkonflikt-Tabelle der fertigen und veröffentlichten Leitlinie findet.

0

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden AutorenUnabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

Beide Koordinator*innen deklarieren umfangreiche finanzielle Interessenkonflikte, primär mit Herstellern direkter oraler Antikoagulantien.

1

Enthaltung bei Abstimmungen

Stimmenthaltungen sind analog zum AWMF-Algorithmus (https://www.awmf.org/regelwerk/erklaerung-von-interessen-und-umgang-mit-interessenkonflikten) ab moderaten Interessenkonflikten vorgesehen und bei den entsprechenden Autor*innen in der Interessenkonflikt-Tabelle vermerkt. Die Koordinator*innen sollen sich gemäß der Tabelle "grundsätzlich" enthalten. Im Leitliniendokument selbst ist jedoch nicht nachvollziehbar, ob diese Stimmenthaltungen dann auch tatsächlich erfolgten. Leitlinienwatch fordert auch die Enthaltung bei sogenannten "geringen Interessenkonflikten", unter die nach AWMF-Logik auch Beteiligte fallen, die wiederholt vergütete Vorträge für die Hersteller der Produkte halten, die in der Leitlinie bewertet werden.

0

Externe Beratung der Leitlinie

Eine externe/öffentliche Kommentierung der Leitlinie (bspw. durch Fachöffentlichkeit oder Patient*innen) erfolgte nicht.

1

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

Das Leitliniendokument nennt auf Seite 10 schlagwortartig protektive Faktoren, die Verzerrungen durch Interessenkonflikte entgegenwirken - "könnten" möchte man an dieser Stelle ergänzen. Die offene Diskussion der Interessenkonflikte zu Beginn der Konsensuskonferenz ist sinnvoll, wird in ihrem Nutzen aber durch die gegenseitige Bewertung der Interessenkonflikte geschmälert. Die Leitliniengruppe ist zwar pluralistisch in dem Sinne, dass viele Fachdisziplinen beteiligt sind. Die Beteiligung der Deutschen Gefäßliga als "Vertretung für Patienteninteressen" (Leitliniendokument, S. 8) verspricht jedoch mehr als sie hält - der entsandte Vertreter ist nicht (oder zumindest nicht ausschließlich) Patient, sondern Angiologe und deklariert finanzielle Interessenkonflikte mit drei Herstellern oraler Antikoagulantien.
Wir vergeben einen Bonuspunkt, da fast alle Empfehlungen im starken Konsens verabschiedet wurden (>95% der Stimmberechtigen stimmen zu).


Erläuterungen zu den Bewertungskriterien

Gesamtpunktzahl

4

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Eine Thrombose oder Lungenembolie bedeutet für die betroffenen Patient*innen in der Regel die monate- bis teils lebenslange Einnahme eines Gerinnungshemmers. Es verwundert daher nicht, wenn die pharmazeutische Industrie mit viel Aufwand versucht, ihre jeweiligen hochpreisigen Präparate besser am Markt zu platzieren - auch durch Beeinflussung von Meinungsführer*innen. Bei der vorliegenden Leitlinie ist daher vor allem der immens hohe Anteil (14/19) der Autor*innen mit finanziellen Interessenkonflikten zu kritisieren, in der Mehrzahl der Fälle mit eben jenen Herstellern direkter oraler Antikoagulantien (DOAKs). Wir empfehlen daher, für eine künftige Leitlinien-Version gezielte Anstrengungen zu unternehmen, um diesen Anteil zu reduzieren oder im besten Fall die nächste Leitlinie von wirklich neutralen Fachexperten ausarbeiten zu lassen. So können bspw. die beteiligten Fachgesellschaften explizit aufgefordert werden, Vertreter*innen ohne Interessenkonflikte zu entsenden - wenn die federführende Fachgesellschaft mit gutem Beispiel vorangeht. Im Sinne einer aktiven Nachwuchsarbeit könnten gezielt potentielle jüngere Autor*innen ohne Interessenkonflikte angesprochen und für die wichtige Leitlinienarbeit begeistert werden.

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.