(24.11.2025)
Manchmal wird es selbst der European Society of Cardiology (ESC) zu bunt: umgerechnet 67 Millionen Euro erhielt der britische Kardiologe Kim Fox, Ex-Präsident der ESC, von der Firma Servier. Nun verstieß ihn die ESC wegen besonders schwerer Korruption. Zum Hintergrund: Kim Fox war nicht nur Koordinator der Angina pectoris-Leitlinie der ESC, in der das Medikament Ivabradin der Firma Servier empfohlen wurde, sondern auch Berater und Studienkoordinator für Servier. Seine Firma Heart Research Ltd. erzielte in den Jahren 2003 bis 2015 Gewinne in Höhe von 67 Mio. €, vorwiegend aus Studien für Servier. https://www.srf.ch/news/dialog/daenische-recherche-medizin-skandal-84-millionen-fuer-herzmedikament-empfehlung
Bis zum heutigen Tag hat der Ausschluss von Fox jedoch nicht zu einem erkennbaren Umdenken bei der ESC geführt. So hat die ESC kein System zum Management von Interessenkonflikten bei Leitlinienautoren etabliert. Meist hat sogar die Mehrheit der Leitlinienautoren finanzielle Beziehungen zu den Herstellern der bewerteten Arzneimittel. Eine Enthaltungsregel bei Interessenkonflikten wird nicht praktiziert. ESC-Leitlinien schneiden bei Leitlinienwatch in aller Regel mit mageren 2-3 Punkten ab. Zudem beruhen die Leitlinienempfehlungen auf einem Expertenkonsens und nicht auf einer systematischen Literaturrecherche. Damit lägen sie in Deutschland auf S1-Niveau. Sie werden jedoch aufgrund der noch unter S1 liegenden Qualitätsstandards im Hinblick auf Interessenkonflikte nicht ins AWMF-Leitlinienregister aufgenommen.
Ebenso wie die meisten anderen europäischen kardiologischen Fachgesellschaften adoptiert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) weiterhin die ESC-Leitlinien und lehnt die methodisch weit überlegenen Nationalen Versorgungsleitlinien ab. Unsere wiederholten Rückmeldungen an die ESC und die DGK zur mangelhaften Interessenkonfliktregulierung wurden mit Desinteresse oder herablassenden Kommentaren quittiert.