2026 ACC/AHA/AACVPR/ABC/ACPM/ADA/AGS/APhA/ASPC/NLA/PCNA Guideline on the Management of Dyslipidemia

Erscheinungsjahr (Stand): 2026

Klassifikation: -

Registernummer: ACC-20260608

Federführende Fachgesellschaft(en):

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 10

Bewertung durch leitlinienwatch.de

08.06.26


Pkt.

Bewertungskriterium

3

Transparenz

Das American College of Cardiology, ACC, und die American Heart Association, AHA, haben Conflicts of interests (COI)-Regelungen (https://www.acc.org/Guidelines/About-Guidelines-and-Clinical-Documents). Im Appendix 1 der Leitlinie (https://www.ahajournals.org/doi/epdf/10.1161/CIR.0000000000001423) werden die COI (hier "RWI" genannt "relationships with industry and other entities") für die Autor:innen aufgeführt, im Appendix 2 gibt es die COI-Deklaration für die Peer-Reviewer.
In einem darin verlinkten Unterdokument (https://www.acc.org/-/media/Non-Clinical/Files-PDFs-Excel-MS-Word-etc/Guidelines/About-Guidelines-and-Clinical-Documents/)AHA_ACC_Disclosure_RWI_Policy.pdf) werden die konkreten Regelungen festgelegt. So hat der AHA‑ und ACC‑Senior‑Staff‑Leadership die Verantwortung, die gemeldeten Beziehungen zu beurteilen und zu entscheiden, ob sie als relevant (RWI) eingestuft werden (§ 2.1.5 – Relevanz zum Dokument). Die Joint Committees (Joint Committee on Clinical Practice Guidelines JCCPG bzw. Joint Committee on Performance Measures JCPM) überwachen die Zusammensetzung der Schreib‑Ausschüsse und prüfen die gesammelten RWI‑Daten.

0

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

Die ACC-RWI-Regelungen legen fest: "The Chair and at least half the writing committee members must be free of relevant RWI", dennoch haben 28/33 (85%) der Autor:innen dokumentierte COI/RWI. Von denen stuften 8 (24%) Autor:innen trotz RWI zu einer Firma, die ein für die Leitlinie relevantes Produkt herstellt, ihre RWI als „nicht relevant“ ein, während 7 (21%) Autor:innen ihre COI/RWI als relevant beschrieben. Als Berater:innen waren 17/33 (52%) Autor:innen tätig, davon 9/33 (27%) in für die Leitlinie bedeutsamen Bereichen.
Die Fachgesellschaften schließen prinzipiell auch Reviewer mit COI/RWI nicht aus. In der aktuellen Reviewer-Gruppe hatten 21/29 (72%) Personen relevante institutsbezogene und 7/29 (245) auch persönliche COI/RWI: 21/29. Als Berater:innen waren 12/29 (41%) Reviewer tätig.

3

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden AutorenUnabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

Die ACC-RWI-Regelungen legen fest: "The Chair or Co-Chairs of writing committees must not have relevant RWI in the timeframes defined above". Beide Federführenden geben an, keine COI/RWI zu haben.

1

Enthaltung bei Abstimmungen

Obwohl Expert:innen mit relevanten Beziehungen zu Diskussionen beitragen können, ist es ihnen laut o. g. Richtlinien untersagt, über endgültige Empfehlungen abzustimmen, um die Objektivität zu bewahren.
Im Abschnitt "2.1.4. Financial Value or Level of Relationship" wird zudem eine 5%-Grenze gemessen am Jahres-Einkommen für finanzielle Beziehungen z. B. zur Pharmaindustrie als relevant definiert.
Es gibt jedoch keine konkret dokumentierten Abstimmungsergebnisse oder Enthaltungen in der Leitlinie (was relevant wäre, da je nach Definition ca. 1/4 bis die Hälfte der Autor:innen relevante COI/RWI hat).

0

Externe Beratung der Leitlinie

Ein Review des Leitlinienentwurfs über eine öffentlich zugängliche Website fand nicht statt.

2

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

Systematisches Literatur‑ und Evidenz‑Sourcing, Mehrstufiger Peer‑Review‑Prozess.


Erläuterungen zu den Bewertungskriterien

Gesamtpunktzahl

9

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Diese Leitlinie der beiden US-amerikanischen kardiologischen Fachgesellschaften ist eine Aktualisierung der 2018er-Leitlinie.
Die hier genutzten AHA/ACC-Interessenkonflikt-Regelungen der Fachgesellschaften geben eigentlich ein strukturiertes Vorgehen zu Interessenkonflikten vor. Wie bei vielen anderen Leitlinien-Anbietern (z. B. ESC und teilweise auch noch AWMF) ist das zentrale Problem die Einschätzung des Interessenkonflikt-Grades. So ist die dokumentierte Selbsteinstufung bei 24% der Autor:innen sehr in Zweifel zu ziehen, beschrieben sie doch COI/RWI zu Firmen, die Cholesterinsenker produzieren, als irrelevant. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist die fehlende Nachvollziehbarkeit und Dokumentation des Abstimmungsverhaltens als problematisch einzustufen, zumal auch Autor:innen mit relevanten RWI/COI nicht von der Diskussion der sie betreffenden Thematiken ausgeschlossen wurden.
Fazit: Auch diese international hochrelevante Leitlinie übernimmt erneut unkritisch das "The lower-the better"-Cholesterin-Dogma analog zu den ESC-Leitlinien. Bei konsequenter Umsetzung dieser Leitlinie würden Millionen US-Amerikaner:innen zu Kranken gestempelt und müssten lebenslang teilweise mehrere Medikamente einnehmen - obwohl die Datenlage dazu schlecht ist. Es fällt erneut auf, dass qualitativ hochwertigere Leitlinien (wie z. B. die korrespondierenden AWMF-S3-Leitlinien) mit weniger Interessenkonflikt-behafteten Leitliniengruppen zu diskrepanten Ergebnissen kommen.

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.