2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias

Erscheinungsjahr (Stand): 2025

Federführende Fachgesellschaft(en):
European Society of Cardiology (ESC)

Weitere beteiligte Fachgesellschaften und Organisationen: 1

Bewertung durch leitlinienwatch.de

03.10.26


Pkt.

Bewertungskriterium

2

Transparenz

Die IK aller Beteiligten werden detailliert in einem eigenen DOI-Report als Supplement zur Leitlinie publiziert. Eine unabhängige externe Bewertung fehlt auch 2025. Der bei der 2019er Leitlinie kritisierte Mangel – Deklaration nur für ein Jahr statt rückwirkend 3 Jahre – ist im 2025-Update nicht explizit verbessert dokumentiert. Das ESC-System erfasst bewusst nur ein rollierendes 2-Jahres-Fenster. Es entspricht nicht dem internationalen Standard von 3–5 Jahren (wie z.B. ICMJE oder AWMF für Hochrisiko-Leitlinien fordern). Für eine Leitlinie, die auf Studien beruht, die größtenteils 2015–2022 publiziert wurden, bedeutet das: Die IK aus der eigentlichen Forschungsphase sind systematisch ausgeblendet. Beispiel: Ein Autor leitete die EVOPACS-Studie (Amgen-gefördert, abgeschlossen 2019); diese Verbindung fehlt im 2025-DOI-Report, weil sie außerhalb des 2-Jahres-Fensters liegt.

0

Zusammensetzung der Leitlinien-Gruppe

Interessenkonflikte der Task-Force-Mitglieder: 85% gaben relevante Interessenkonflikte an.
Beispiele: Ein EAS-Taskforce-Autor hat Zahlungsbeziehungen zu 18 verschiedenen Pharmafirmen — dem bisher höchsten Wert in einer europäischen Leitlinie dieser Indikation.
Ein anderer Autor deklariert Editorhonorare von 100.000 $ sowie Forschungsfinanzierung von 12 Pharmaunternehmen gleichzeitig.

0

Unabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden AutorenUnabhängigkeit der Vorsitzenden/federführenden Autoren

Alle drei Chairpersons gaben relevante Interessenkonflikte an.

1

Enthaltung bei Abstimmungen

Dies ist die einzige strukturelle Verbesserung gegenüber 2019. Im 2025 Update ist explizit dokumentiert: „Members with declared conflicts of interests in specific topics were asked to abstain from voting on those topics" . Außerdem gilt eine 75%-Mehrheitsregel mit möglichen Voting restrictions.
Jedoch: Im gesamten Dokument — Leitlinie, DOI-Report, Supplement — findet sich kein einziger der folgenden Datenpunkte: Welche Task-Force-Mitglieder sich bei welcher konkreten Empfehlung enthalten haben, ob Enthaltungen tatsächlich stattfanden (oder nur gefordert wurden), Abstimmungszahlen für einzelne Empfehlungen (z.B. „14 von 17 stimmfähigen Mitgliedern stimmten zu"), eine Liste, welche IK als „topic-relevant" eingestuft wurden und damit Enthaltungspflicht auslösten.
Dass dies absolut relevant wäre, kann an einem Beispiel dargestellt werden: Ein Autor (ESC-Chair) ist Erstautor der EVOPACS-Studie (Evolocumab früh nach ACS 1), die direkt die Klasse-IIa-Empfehlung zur Kombitherapie stützt — und hat gleichzeitig deklarierte IK mit Amgen (Repatha/Evolocumab). Ob er sich bei dieser Abstimmung enthalten hat, ist dem Dokument nicht zu entnehmen.

0

Externe Beratung der Leitlinie

2019: Nur interner Review durch eine benannte, ebenfalls belastete Expertengruppe — 0 Punkte. 2025: Das Update „underwent multiple rounds of peer review on a dedicated online review platform" durch Experten aus ESC National Cardiac Societies und ESC Subspecialty Communities. Ein öffentlicher review über eine Website, eine Patientenbeteiligung oder die Dokumentation des Umgangs mit eingegangenen Vorschlägen ist nicht belegt.

1

Bonuspunkte für weitere Maßnahmen zur Reduzierung von Interessenkonflikten

Es gab einen internen Peer-Review-Prozess.


Erläuterungen zu den Bewertungskriterien

Gesamtpunktzahl

4

Gut! (11-18)

Achtung! (6-10)

Reformbedarf! (0-5)

Kommentar

Das 2025 Focused Update bringt zur Vorgänger-Leitlinie von 2019 strukturelle Verbesserungen (Enthaltungsregel, 75%-Regel, Online-Peer-Review), wobei die konkrete Umsetzung nicht dokumentiert ist. Dass dies negative Auswirkungen zeitigen kann, sei exemplarisch an 2 Beispielen aufgezeigt:
- Die teuersten, neu aufgewerteten Medikamente (PCSK9-mAb, Inclisiran) werden von denselben Firmen hergestellt, die bei der großen Mehrheit der Task-Force-Mitglieder als Geldgeber erscheinen. Die Leitlinie gibt an, Medikamenten-Kosten seien zu berücksichtigen, liefert aber keine eigenen Kosteneffektivitätsdaten.
- Beide ESC-Chairpersons haben direkte IK mit PCSK9-Hemmer- und Inclisiran-Herstellern — eben den Therapien, die in dieser Leitlinie am stärksten aufgewertet werden
Schaut man sich die Kern-Empfehlungen an, sieht man weitere methodische Schwächen durch obengenannte strukturelle Probleme. Ein Beispiel: Die Empfehlung der Klasse I, Level C „Intensivierung der lipidsenkenden Therapie während der Indexhospitalisierung ist empfohlen für Patienten, die vor Aufnahme bereits eine LL-Therapie hatten" bedeutet formal nur: Expertenkonsens basierend auf Registerdaten, Level C bedeutet: keine randomisierte Studie stützt diese Empfehlung direkt. Dennoch gilt diese Empfehlung faktisch für alle ACS-Patienten (~1,5 Mio./Jahr in EU) mit europaweit entsprechend hohen Folgekosten ohne gute Datengrundlage.

Hinweis: Die Bewertung wurde sorgfältig auf der Grundlage der publizierten Leitlinie vorgenommen. Wenn Sie einen Fehler bemerken, können Sie uns unter info@leitlinienwatch.de kontaktieren.